Crossing Kazakhstan

(31. Oktober) 

 
Die Schilder, die uns den Weg aus Astrachan zeigen sollten, führten uns in eine Sackgasse. Als wir einige Nachfragen später aus der Stadt heraus gefunden haben, hieß es fürs Erste Ciao Russland. Nach ca 100km und einer schwimmenden, abenteuerlichen Brückenkonstruktion, erreichten wir die russische Grenze. Danach fuhren wir Kilometer weiter und machten uns schon Sorgen, dass wir die Grenze möglicherweise übersehen haben könnten. Irgendwann erreichten wir sie dann doch, passierten sie wenig später und erreichten unser 12. Land – Kasachstan. 

In Astrachan the signs to Atyrau did lead us to a dead end first. After we found our way out of the city there was a good highway for the first half which ended on a long swimming bridge which created a special feeling when we crossed it. Soon after it was time to say goodbye Russia. We passed the border fast and without any problems. Then we drove a long way and passed a modern but idle border control building, so we thought there is no Kazakh border control. Only after about 10 km the border building appeared. Only a few cars were waiting and after less then 2 hours we were in our 12th country – Kazakhstan. 

        

Nun fuhren auf einer Hauptverbindungsader Kasachstans zu Russland nach Atyrau. Dieser Weg, das Wort „Straße“ wird an dieser Stelle bewusst vermieden, war der Schlechteste, der uns auf der Reise begegnet ist. Die Schlaglöcher und Unebenheiten waren so groß, dass es den meisten Fahrern lieber war, neben der Straße zu fahren. An einigen Stellen hat die Straße sogar komplett aufgehört und wir mussten wirklich überlegen, wie wir unbeschadet weiterkommen. So bewegten wir uns Stunden mit unter 20 km/h. Dabei fragten wir uns, wie die Verbindung von zwei Großstädten, die auch von LKWs genutzt wird, so schlecht sein kann. Nicht nur, das sich niemand um den Zustand kümmert, auch scheint die Straße ohne jede Kenntnis von Straßenbau errichtet worden zu sein. Erst als es schon Dunkel war, wurde die Straße zumindest so gut, dass man 50 fahren konnte, allerdings mit der dauernden Gefahr, das Auto zu verlieren. Nun kam noch erschwerend dazu, dass hier jeder mit der Beleuchtung fährt, auf die er gerade Lust hat – Fernlicht oder gerne auch gar keine Beleuchtung. Immer wieder wurde die Straße schlechter und wir fragen uns wirklich wie die Menschen sich so etwas gefallen lassen können. 7 Stunden Schlaglochpiste später sind wir entnervt und entkräftet in Atyrau angekommen. Hier erfuhren wir, dass Atyrau eine zweistündige Zeitverschiebung zu Moskau hat, es also 1 Uhr nachts ist. Also suchten wir ein noch offenes Restaurant und fielen später ins Bett.
 Then the adventure started. We never have seen so bad roads. Holes which are 50 cm deep, tarmac shifted up by trucks to a higth that will kill the bottom of your car. Part of the way we had to drive in the nowhere next to the street. For hours we could go not  faster then 20 km/h. When it started to turn dark, the street became somewhat better but still with unexpected holes. You are in a permanent risk of loosing you car. The cars coming from the other direction had long distance light or only one or even no light which was kind of a bonus challenge. At 10pm we finally reached Atyrau and started looking for a hotel. Only at check in, we noticed the 2 hours time time difference to Russia. It was already after midnight. As we were hungry, we were looking for a restaurant and then, exhausted went back to the hotel after 2 am. 

                  

(1. November)

Atyrau war bei Tag ein seltsamer Ort, sehr modern und sauber, aber kaum belebt, offensichtlich ein Öl und Finanzplatz. Auch die Menschen sehen nun vollkommen unterschiedlich aus, man merkt, dass wir in Asien sind. Da wir es versäumt haben, an der Grenze einen zweiten Stempel in die Migrationskarte eintragen zu lassen, fuhren wir zum Flughafen, das dies der einzige Ort ist, an dem man sich Sonntags registrieren lassen kann. Hier erfuhren wir, dass man diesen Stempel gar nicht bräuchte. Im Internet hieß es allerdings, dass man ihn unbedingt innerhalb von fünf Tagen bräuchte, um nicht in Probleme zu laufen. Wir fuhren ins Renaissance Hotel, von dem wir schon gehört haben, dass die Mitarbeitet sehr hilfsbereit sind und bekamen sofort nette und schnelle Hilfe, der Rezeptionist hat sogar einen Kollegen am freien Tag angerufen, der mitteilte, dass wir den Stempel unbedingt in einem OVIS-Office einholen sollten. – Das nächste Problem war, dass unser Visum für Usbekistan wegen den Verzögerungen unserer Reise in ein paar Tagen auslief und wir nun erst einmal nach Astana oder Almaty mussten, um es zu erneuern. Also wieder alles umgeplant, stellte sich die Frage nach dem Weg. Im Hotel wurde schnell ein Mitarbeiter gefunden, der sich mit den Straßen auskannte und uns vom direkten Weg abriet, da hier einige Teile der Straßen eher eine Richtung als eine Straße seien. Er riet uns einen Umweg über Uralsk zu fahren. Den Rat haben wir befolgt und bis bis zum Sonnenuntergang haben wir auf einer passablen Straße 350 km durch die Wüste zurückgelegt und waren gut in der Zeit. Dann gab es einen Schlag und wir fuhren rechts ran. Sofort stieg der beißende Geruch von verbranntem Gummi in die Nase, der rechte, hintere Reifen war geplatzt. Mitten in der eiskalten Wüste und bei zunehmender Dunkelheit haben wir den Reifem mit Stirnlampen und guter Teamarbeit ausgetauscht und konnten eine halbe Stunde später weiter fahren, allerdings war es nun stockfinster. In Uralsk wurden wir vom ersten richtigen Schnee der Reise empfangen. Wir haben ins Hotel „Pushkin“ eingecheckt, wahrscheinlich die beste Wahl der Stadt. In Kasachstan scheinen übrigens online Reservierungen im Normalfall billiger zu sein, als der Preis im Hotel. Dann sind zum Ural gelaufen, wo wir ein großes WW2 Denkmal vorfanden und erfahren haben, dass auch viele Menschen von hier ihr Leben in diesem Krieg gelassen haben. 

Atyrau is a courious city, very clean and modern but somewhat missing real life; obvious an oil and finance place. Also from the people here, it’s obvious that we have arrived in Asia now. According to the info we had from the german foreign affairs website and some blogs, is that we have to register at the immigration police office and face significant problems if missing doing so. Following the info from the hotel, we went to the airport and with the help of a nice lady from Air Astana, we found the airport customs officer, who told us that the immigration stamp is not needed anymore if we leave Kazakhstan within 14 days. As this was different info from what we had, we went to the Renaissance hotel which is recommended for their helpful staff and good knowledge of immigration issues. The staff there was in deed very kind and supportive – and spoke perfect english. And they gave us the same info as we found in the internet: „you need to get the immigration stamp within 5 days after entering the country“. They also gave us very helpful advise about routes and street conditions. 
Now we can concentrate on our next problem: Our visa to Uzbekistan is valid only a few more days, and we are not even there. The only places, where we can get a new one are Astana or Almaty. That means we have to change our plans and go to Almaty. Following the advice of our new friends from the Renaissance, we decided to go north to Uralsk from there to Astana and then south to Almaty. This might have been a wise decision anyway as we did find some blogs in the internet describing road conditions that our car might not be able to handle on the direct way to Nukus. The road to Uralsk leads 500 km thru desert but is in good condition, so we could have done it in 5 hours, if we hadn’t a flat tire just after it turned dark. Changing wheels we did as a perfect team
and reached Uralsk before 10 pm. It was freezing and all turned to white as it started to snow. There we found the hotel „Pushkin“, probably the best choice in the city. Other then in the other countries, here in Kazakhstan they asked us to make online reservation to get good rates. After checking in, we walked to the Ural river, where we found a big WWII monument and learned that also many people from here have given there lives in this war. 

                 

(2. November)

Nun wollten wir Zuerst den zweiten Stempel auf der Migrationskate einholen, also sind wir zur Polizei gefahren, um dort zu erfahren, dass dieser Stempel nur für Ausländer mit Visum nötig ist. Da Deutsche sich bis zu 2 Wochen ohne Visa in Kasachstan aufhalten dürfen, sollten wir uns darum keine Sorgen machen. Danach haben wir einen Autohändler gesucht, der uns den kaputten Reifen ersetzt. Nach einiger Zeit sind wir bei einem Toyota-Händler fündig geworden. Ein Mitarbeiter rief einen englisch sprechenden Kollegen an, der nach einer Zeit den richtigen Reifen in einem Lager ausfindig machte, uns das Geld auslegte und sogar zu Toyota brachte, wo er direkt auf die Felge gezogen wurde. Insgesamt sind uns die Kasachen etwas unfreundlich vorgekommen, was man vor allem beim Autofahren, aber beispielsweise auch beim Warten in Schlangen merkt, wo man regelmäßig grob zur Seite gedrückt wird. Nun aber, zeigten sie sich sehr Hilfsbereit und nett. Ungefähr um 14:00 waren wir wieder auf der Straße und nahmen uns die nächsten 500 km vor. Die Straße nach Aqtöbe war akzeptabel, sodass wir es um 21:00 erreichten. Aqtöbe ist eine große, dreckige Industriestadt, in der wir einige Zeit brauchten, um ein halbwegs sauberes Hotel zu finden.
 
The contradicting info from the airport custom officer and the Renaissance in Atyrau confused us and as we want to avoid problems when leaving the country, we went to the immigration police in Uralsk and after a while also here we were informed that we do not need this stamp when we leave Kazakhstan within 14 days. Now we had to replace the broken tyre. After a while we found a Toyota dealer who had an english speaking mechanic in an other location. He did scan all tyre stocks in Uralsk. After he found a tyre that fits, he went there and did buy it with his private money and brought it to the location where we were.
Here they mounted it and checked all other wheels. Great guys! Overall we found many Kazakh people not gentleman-like. While driving and also in situations where you have to wait in a queue, they are pushing you aside pretty rude, but if you need help they are very nice and supportive. Also the spirit of the former Soviet Union seems to be still alive more than even in Russia. An example: yesterday in the very nice hotel Pushkin, we went to the restaurant in our hotel and ordered our menue. After about 45 minutes the waitress came and told us: „your dinner is ready, but the restaurant is closing now; you have to eat it in your room“ (with some luck we negotiated that we have 10 minutes to eat it in the restaurant). At around 2pm we were ready to start for the next 500 km on a decent road to Aktobe, a big, dirty industry city, which we reached after 9pm. For the first time we had some difficulties to find an acceptable hotel.  

         

 (3. November)

Heute haben wir eine Autoversicherung in Aqtöbe abgeschlossen. Im Internet haben wir eine Adresse herausgesucht, die wir dann gesucht haben. In der Zielstraße sind wir dann erst zweimal vorbeigefahren, denn was wir uns als modernes, großes Versicherungsgebäude ausgemalt haben, waren letztendlich ein paar Büros in einem Wohnhaus. Zu unserem Glück hat eine sehr nette Mitarbeiterin englisch gesprochen und mit uns für 1050 Tenge (~3,50€) eine zweiwöchige Versicherung abgeschlossen. 
Dann machten wir uns auf den langen Weg nach Astana. Das Wetter ist nun immer schlechter geworden, es war kalt und schneite oder regnete dauerhaft. Die weite kasachische Steppe war heute komplett schneebedeckt, nur sind die Gräser und Sträucher hier so hoch, dass man den Schnee nur an kahlen Stellen sehen konnte, was ein schönes, buntes Bild ergab. Zum Glück war die Straße weitestgehend gut und schneefrei, denn auch so war die Fahrt mit unseren Sommerreifen schon riskant genug. Es war heute wirklich unangenehm, sobald man aus dem Auto ausstieg, denn der eiskalte Wind ließ uns jeden Regentropfen wie einen Stich auf der Haut spüren. Deshalb haben wir heute auch ein paar Anhalter mitgenommen. Pünktlich zum Sonnenuntergang stieg die Temperatur ins Positive, dementsprechend ließ der Schnee nach. Als es Dunkel war, wurde die Straße, ohne jede Vorwarnung, auf einmal wieder ähnlich schlecht, wie nach der Grenze. Also quälten wir uns wieder Kilometer für Kilometer vorwärts, bis die Straße, ähnlich wie am ersten Tag wieder etwas besser wurde. Heute allerdings an einigen Stellen vereist, weshalb wir besonders vorsichtig fuhren. In unserem Ziel Qostanai fuhren wir ins einzige Hotel, das wir finden konnten, direkt hinter einem Frachtbahnhof. 

First thing today was to get a car insurance. Finding the right office on the internet was easy, in real life it was a real challenge. It was located in the back of a building which you may expect to be out of service or maybe a garage, but inside there was a real office with even a nice english speaking young lady who very professionally produced an insurance contract. After an hour of paperwork we had our car insured for just 1050 tenge, about €3,50. At noon we were back on the road towards Astana. Weather turned to winter with alternating snow, rain and ice. The wide Kazakh steppe was iced with snow; we could feel eternity. We did give some hitch-hikers a ride as the traffic  was so low. When it was already dark, the road turned to bad without any warning. For the next 50-100 km we had similar conditions as we had on the way to Atyrau and could drive not more than 5 km/h for some miles. When it turned to better just before we reached Kostanay there was ice on the road, which forced to drive very carefully as the BMW is running on summer tires. It was after midnight, when we checked in a hotel just behind the freight terminal. Kostanay marks the most northern point, we will reach on our journey by car. 

          

(4. November)

So schnell wie möglich setzten wir unseren Weg nach Astana in der Früh fort. Anfangs war die Straße gut und wir fuhren die ersten 150 km entspannt herunter. Dann ist der Schneefall immer dichter geworden, dementsprechend war auch die Straße schneebedeckt und an vielen Stellen vereist. Nun war es schwieriger, den Schlaglöchern auszuweichen und es ging nur langsam vorwärts. Glücklicherweise wurde es später wieder wärmer, der Schnee wurde zu Regen und hörte später ganz auf und wir konnten unsere Fahrt deutlich schneller fortsetzen. Als wir die Hauptstadt Kasachstans erreicht haben, war es 21:00 und der Kilometerzeiger des Autos zeigt wieder 700 km mehr. Hier merkten wir später, dass wir nun einen fünfstündigen Zeitunterschied zu Deutschland hatten.

We started early as to Astana, which is another 750 km to go. Get some money, fuel and food for the road and then leave the city. The first about 150 km went pretty well, but then heavy snow came up and the road was white or even icy, which makes it even more difficult to see and bypass the potholes. To our luck it stopped snowing and the road turned to good after a while, so we could speed up again and reached the capital of Kazakhstan at around 9pm. We are now in a time-zone 5 hours ahead of Germany.