Karabach im Nebel

(13. Oktober)

Nachdem wir am Morgen wieder einmal viel zu lang gebraucht haben, um mit gepackten Rucksäcken aus dem Hotel zu kommen, haben wir am Kilikia-Busbahnhof erfahren, dass der einzige Bus nach Stepanakert, der Hauptstadt von Bergkarabach, um 10:00 gefahren ist. Also haben wir uns ein Gruppentaxi gesucht, vor welchem wir gewartet haben, bis es voll war. Über eine Passstraße ging es durch das wunderschöne, steinige Kaukasusgebirge. Abwechslungsreiche, zerklüftete Berge, Täler und Ebenen in allen möglichen Farbtönen so weit was Auge reicht. Armenien präsentierte sich wieder einmal von einer sehr schönen Seite. Nach etwa zwei Drittel der Strecke zog dichter Nebel auf, der aus Entfernung wie ein riesiger Wasserfall wirkte, welcher sich über die Bergketten schiebt. Sobald wir aber hineingefahren waren, ließ er höchstens noch zu, dass man die Rücklichter des vorderen Autos und ein wenig Straßenmarkierung sehen konnte, die zum Glück größtenteils vorhanden war. Schnell waren alle Scheiben beschlagen und es ging nur noch schleichend vorwärts. Als unser Vordermann abgebogen war, wurde die Orientierung für den Fahrer noch ein wenig schwieriger. Die Grenze zu Bergkarabach war ein kleines Häuschen, an dem wir unseren Pass gezeigt haben und einen Zettel mit einer Adresse in Stepanakert bekommen haben, an der wir morgen unser Visum holen sollten. Jetzt befanden wir uns offiziell in Aserbaijan, allerdings ist Bergkarabach selbstständig regiert und sieht sich als eigenen Staat, der gerne zu Armenien gehören würde. Die Grenze nach Aserbaijan ist geschlossen. Nach weiteren 60km durch die Nacht bei dichten Nebel, haben wir Stepanakert erreicht und und sind mit viel Glück auf das „Vallex Garden“ Hotel, das beste Haus im Ort, gestoßen.

As usual we were late this morning. When we were finally ready to check out from the hotel, a heavy rain just started and we went back in the hotel for a tea. Now the chances were pretty low to catch a bus to Nagorno-Karabakh, but we went to the bus station anyway and with some luck we found a taxi to take us there. When it was filled up, it started to a real sightseeing trip. Mountain roads climbed several passes and after each the nature and the colors changed dramaticly. Towards evening fog came up. From the distance it looked like a waterfall coming from the mountains ahead of us, but after a while we had to dive in with practical no sight. Our driver had to slow down and was happy if he could see the backlights of the car ahead of us. The border to Nagorno-Karabakh was a small house where we just had to show our passports and received a paper with the address in Stepanakert where we had to ask for our visa. We are now in one of the most curious states in the world. Officially this is Azerbaijan, but Nagorno-Karabakh declared indepency after a war in the nineties. Still today only Armenia is accepting it as an independent state. This situation creates some curious situations. For instance the time; „officially“ time here is the same as in Armenia, but our phone automatically  switched one hour forward to Azerbaijan time. International „officially“ the area still belongs to Azerbaijan. Borders to  Azerbaijan are closed now, the only way in and out are via Armenia. After 60 more kilometers we reached the „capital“ Stepanakert. It was heavily raining and late in the night, but with good luck we just did run into „Vallex Garden“, the best hotel in town.  

    
 

(14. Oktober)

Im Außenministerium haben wir uns heute für je 3000 AMD (ca. 6 €) unser Visum geholt. Dann haben wir nach einem Taxifahrer gesucht, der uns nach Agdam fährt, obwohl das offiziell verboten ist. Agdam war vor dem Bergkarabachkrieg eine Stadt mit 70.000 Einwohnern, wurde im Krieg vom armenischen Militär nahezu zerstört und ist heute eine Geisterstadt. In Aserbaijan wird Agdam als „aserbaijanisches Hiroshima“ angesehen. Der Nebel war uns auch heute treuer Begleiter, was die Athmosphäre dieser Stadt noch eindrucksvoller machte. Glücklicherweise hinderte uns auf dem Weg niemand am weiterfahren. In der Mitte der Stadt ist eine persische Moschee, welche als einziges Gebäude noch erhalten ist. Die Eingangstore waren zwar alle verschlossen, aber eine kleine, verfallene Treppe an der Seite brachte uns erst ins Innere der Moschee und dann in die Kuppel von einem der Minarette. Nun konnten wir das ganze Ausmaß dieser Geisterstadt überblicken, Schützengräben, Ruinen und zerstörte Fahrzeuge, soweit das Auge reicht. Die ganze Zeit war man in Agdam von einer unendlichen Stille und Einsamkeit umgeben, welche ein seltsames Gefühl erzeugten. Wir haben uns nicht getraut, besonders viel herumgelaufen, da wir schon den ein oder anderen Soldaten gesehen haben und nicht verjagt werden, oder gar unsere Fotos riskieren wollten.

Also today is a foggy day. The address we received at the border yesterday actually is the „ministery of foreign affairs“, where we did very easily receive beautiful, colorful visa for just 3000 Armenia Drams (~6 €) each. Then again with a lot of luck we found a taxi driver who was willing to drive us to Agdam despite this is strictly prohibited. Also the military that is protecting the area did let us pass. Before the war about Nagorno Karabakh, Agdam had a population of  about 70.000 people and today it is a deserted and destroyed ghosttown. The Armenians did destroy every single house – except the (persian) mosque. The Azerbis today refer to Agdam as their „Hiroshima“. After we passed miles of destroyed houses, we finally reached the mosque. Here we left the car and could just feel the total silence and depressing atmosphere. The doors were closed but we found a few, half destroyed stairs, that led us into the mosque and from there we found our way into one of the two minarets.  We climbed all the way up to the top of the minaret and from there, we did see the full extend of the demolition. Miles and miles of destroyed houses, cars and trenches. The fog did even multiply the depressing silence and it took us a while before we started to speak again. We did walk only a brief way around the mosque as we had seen some soldiers from the minaret and did not want to provocate trouble.  On our way back to Stepanakert, we saw a number of military vehicles and trucks moving tanks. 

    
    
    
    
 

Also sind wir bald wieder nach Stepanakert zurück und haben einen Bus in das 8km entfernte Shushi genommen. Dort war der Hotspot – das Museum – schon geschlossen, also sind wir durch eine Reihe verfallener und verlassener Gebäude zur Burg gelaufen. Hier haben wir die Auswirkungen der verschiedenen Konflikte gesehen, Shushi hat in den letzten 100 Jahren 90% seiner Bevölkerung verloren. An der Burg haben wir uns nur kurz aufgehalten, da es vom Nebel nass und fast dunkel war und sind bald wieder zurück gefahren. 

Back in the city, we took a local bus to Shushi. There we found the museum closed and so we walked thru the fog along some deserted and demolished buildings to the castle. Also here we could see and feel the results of the many conflicts in this area during the last century – Shushi did loose around 90% of its population during the last 100 years. As it became dark and we were wet from fog and rain, we took the next bus back to Stepanakert. What a very special day this was today!  

    
    
         

(15. Oktober)

Heute sind wir zum Busbahnhof von Stepanakert gelaufen und haben uns ein Taxi nach Yerevan gesucht. Nach kurzer Zeit befanden wir uns zu 5. im kleinen Renault eines nett wirkenden, älteren Taxifahrers und waren unterwegs. Der Nebel hat heute immer wieder aufgezogen und uns den Blick über das weite Land gewährt. Nachdem wir den Grenzübergang zurück nach Armenien passiert haben, an dem wir nur kurz eine Bescheinigung des Außenministeriums vorzeigen mussten, war der Nebel wieder verschwunden und es wurde wärmer. So ging es mit dauerhaftem Blick auf die tolle Landschaft weiter und wir machten hunderte Fotos. Ärgerlich war nur, dass unser Fahrer einen … Fahrstil hatte und uns in einige gefährliche Situationen brachte. 6 Stunden später sind wir in Yerevan angekommen, haben im bereits bekannten Hotel eingecheckt und sind in der coolen Tapasbar „Tapastan“ um die Ecke Essen gegangen.

After checking out we walked to the bus station and pretty soon we found a driver to bring us back to Yerevan. We were 4 passengers and the driver, a sympathic middle aged man in his small Renault. Unfortunately he had a hard driving style, created a set of critical situations and had his brakes ruined when we arrived in Yerevan; but after 6 hours we DID arrive, even without any incident. The journey was even more stunning as the way to Nagorno-Karabakh as the fog lifted soon after we entered Armenia again and we did take hundereds of photos and had a hard time to select the few for this blog. Back in Yerevan we had to go to the Cascade again to take more pictures of Mt.Ararat, then we checked in in „our“ hotel Diamond House again and went to a fancy Tapasbar „Tapastan“ around the corner. 

               

Yerevan – the Big Surprise

(10. Oktober)

 

Frage an Radio Eriwan: Hätte man gedacht, dass dieser Ort zu den schönsten auf unserer Reise gehört? Im Prinzip schon, aber… Nein, mal im Ernst, Hand auf’s Herz, wer hat gewusst, wo Yerevan liegt? Gerade weil wir die Stadt auch nicht unbedingt auf der Rechnung hatten, sind wir umso begeisterter. Armenien selbst hat uns schon von der ersten Sekunde überzeugt. Die Fahrt dorthin über den Kaukasus und am Sevansee, dem zweithöchsten Gebirgsee der Welt, vorbei durch atemberaubende Landschaft, war ein Erlebnis. In Yerevan angekommen, haben wir vor einem Gebäude zufällig Militärkapellen und Gruppen traditionell gekleideter Menschen gesehen und haben dann erfahren, dass es sich um die Generalprobe für einen grossen Auftritt zum 2797. Stadtgründungsfest am nächsten Tag handelt. Dann haben wir mit dem Diamond House ein sehr schönes Hotel gefunden und haben uns schließlich aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Wir konnten von Anfang an die gute Stimmung der Stadt spüren und haben uns wohl gefühlt. Nach einem vorzüglichen Sushi-Essen im Restaurant „SushiToria“ haben wir in der Nacht die Kaskade entdeckt, einen riesigen Treppenkomplex, in den immer wieder schön gestaltete Plateaus integriert sind. Wir sind die 558 Stufen hinaufgelaufen und haben den tollen Blick auf die Lichter der Stadt genossen. Nur den Berg Ararat, das Nationalsymbol Armeniens, konnten wir im Dunklen nicht sehen. Später gab es dann sogar ein Feuerwerk, das wir von der Kaskade aus gut sehen konnten. Während dem Feuerwerk gab es auch ganz bei uns in der Nähe einen Knall und einen Schrei. Zusammen mit vielen anderen sind wir dann hingegangen und sahen Scherben auf der Strasse vor einem Restaurant names Beijing. Die Scheiben des Restaurants waren alle rausgeflogen. Dann kam Polizei und Krankenwagen, es war wohl eine Gasexplosion. 

If you would have told us, Yerevan might be one of our absolute highlights of our journey, we might have daubted it. Let’s be serious, how many of us would even know, where exactly Yerevan is on the globe. Also we didn’t have it on the top of our list. The more we are excited now. We did like Armenia from entering the country. Already the way to Yerevan by crossing the caucasian mountains and along the shore of the lake Sevan, the second- highest mountain-lakes did excite us with stunning views. when we arrived in Yerevan,we did run into a courious event with military bands and groups in traditional dresses. We found out, that this was the rehearsal of the 2797 year foundation of Yerevan, which will be celebrated the next day. We then found a very nice hotel „Diamond House“, good located in the middle of the city. Then we had a very good Sushi dinner in the restaurant „SushiToria“. Later, in the night, we discovered the Cascade, a huge and very beautiful designed complex with integrated plateaus  and concert halls and a museum under its surface. We climbed up the 558 steps and were deep impressed by the view over the city. The mount Ararat, Armenia’s national symbol, we could not even see in the dark. While we enjoyed the view over the city, they did even burn a firework to welcome us. During this firework, there was also a bang and a cry very close to us. We followed the crowd to discover what happened and found glass on the street in front of the restaurand „Bejing“ and saw all it’s windows broken. Then police and ambulance arrived – no hectic – it was probably just a gas-explosion. Finally we went to our hotel pretty late. 

     
       

(11. Oktober)

Heute feiert Yerevan also seinen 2797. Geburtstag und das merkte man vom ersten Schritt aus dem Hotel. Von überall hörte man Musik und die Straßen waren voll mit Menschen, die ihre armenische  Fahne schwenkten und sie sich auf die Wangen gemalt haben. Es kam uns so vor, als würden sie sich wirklich freuen. Wir machten uns erstmal auf die Suche nach dem Ararat. Über eine Seitenstraße sind wir wieder auf die Kaskade gekommen und hatten diesmal eine noch bessere Aussicht. Die Bergkette, mit dem großen und kleinen Ararat, türmt sich hinter der Stadt auf. Der Blick war atemberaubend und gerade wenn man bedenkt, welche Mythen den Berg umgeben waren wir ganz hingerissen, so dass wir dort lange geblieben sind. Man hat das Gefühl, der 5000er würde direkt hinter der Stadt stehen. Aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus, denn der Berg gehört heute zum Gebiet der Türkei. Die türkisch-armenische Grenze ist seit dem Konflikt um Bergkarabach geschlossen, also können die Armenier nicht zu ihrem Berg. Ich schreibe „ihr Berg“ da man deutlich spürt, dass der Ararat zu Armenien gehört. Gerade wenn man bedenkt, dass der Ararat für Muslime gar keine religiöse Bedeutung hat. Auf dem Weg nach unten haben wir bemerkt, dass unter den Stufen Rolltreppen und das „Cafesijan“ Museum untergebracht sind. Später haben wir uns noch einige Sehenswürdigkeiten Yerevans angesehen und Abends ein Open-Air Jazz-Konzert angehört. Anschließend haben wir in einer Bar mit vielen Armeniern Fussball geschaut.

Today Yerevan is celebrating it’s 2797th birthday. And we can see, hear and feel it everywhere. We stepped out of the hotel and could hear music and see happy people all around with the armenial flag in their hands or painted on their cheeks. But the first we wanted to see was the mount Ararat. So we went to the Cascades again and there it was – the big Mt.Ararat 5140 meters high, together with the small Ararat did rise just behind the city. The view and the myths that are surrounding it are completely taking us in. We spent hours with this view and the very special athmosphere.  You get the feeling, this mountain is rising direct behind the city of  Yerevan. But unfortunately the reality is different. Mt.Ararat is about 50 km away – and on Turkish territory.  Since the conflict about Nagorno-Karabakh in the early nineties, Turkey closed the border to Armenia, so the Armenians cannot even get to „their mountain“. I say it „their mountain“ as we could just feel it that Mt.Ararat belongs to Armenia. And even more considering that for Muslims it doesn’t even have any importance ( they also do believe in Noah’s Arch, but the mountain where they believe it’s stranded is Mt. Cudi Dağı, close to the syrian border). On our way down, we found out, that there are stairways and the „Cafesijan“ museum under the stairs. Later we did explore the city, visited the blue mosque, the opera and many more. In the evening we did listen to an open air jazz concert and later in the night we did watch football in a big bar. 

        

      

         

(12. Oktober)

Heute ist der normale Altag wieder in Eriwan eingekehrt und wir haben uns per Minibus auf den Weg zu einer der ältesten Kirchen gemacht. Etschmiadsin wird häufig als der „Vatikan von Armenien“ bezeichnet. Der König Trdat III hat 301 die armenische Kiche erfunden und sie als Staatsreligion eingeführt. Damit machte er Armenien, welches vorher von iranisch-zoroastrischen und hellenistisch-papanistischen Einflüssen bestimmt war, zum ersten christlichen Land der Welt. Die Anlage der Kathedrale von Etschmiadsin ist sehr ruhig und friedlich gelegen, die Kirche selber wurde seit dem 3. Jahrhundert mehrmals erneuert. Von dort brachte uns ein Taxi zu dem Punkt Armeniens, der dem Ararat am nächsten ist, dem Kloster Chor Virap. Es ist nur wenige hundert Meter von der gut bewachten türkischen Grenze entfernt. Weil es heute etwas bewölkt war, haben wir leider nicht den besten Blick auf den Berg gehabt. Eine Legende besagt, dass der König Trdat III an diesem Ort Gregor den Erleuchter 13 Jahre in einem tiefen Verließ eingesperrt hat, um ihn vom Christentum abzubringen. Da diese Folter Gregor nichts anhaben konnte und er sogar noch eine als unheibar geltende Hautkrankheit des Königs heilte, ließ sich der König taufen und machte das Christentum zur Staatsreligion. Das Kloster wurde im 17. Jahrhundert gebaut, aber eine Seitenkapelle hat zwei Löcher mit Leitern in die Tiefe. Die längere Leiter endet in einer Höhlenzelle, welche das Verließ des Gregor sein soll. Wir sind durch das enge Loch hinunter geklettert und haben uns einen Einduck verschafft, wie sich Gregor gefühlt haben könnte. Später haben wir eine Mitfahrgelegenheit zurück nach Yerevan bekommen und waren wieder Sushi essen.

Yerevan is back to normal and we left the city by minibus to visit one of the the oldest christian churches. Etchmiazin with it’s church from the early third century is the „Vatican“ of Armenia. In 301, the King of Armenia,  Trdat III converted Armenia and made it the world’s first christian country – converted from previous Iranian zoroastian and Hellenistic paganistic beliefs. The athmosphere was very peaceful there and also the church did impress us despite being rebuild several times since the 3rd century. From Etchmiazin we took a taxi to bring us to the spot in Armenia that is closest to Mt. Ararat – the monastery of Chor Viap. It’s just a few meters away from the heavily protected Turkish border. Unfortunately it was a bit foggy today, so we didn’t get the clear and bright view we had hoped for. A myth about Chor Viap tells that in 288, king Trdat III of Armenia did imprison Gregory the enlightener for 13 years in a cave there to break his belief in Christ. As he could not break his belief and Gregory even did cure him from a skin disease that was supposed to be not curable at that time, the king converted to Christianity himself and converted the whole country in 301. The monstery in Chor Viap was built in the 16th century but a side chapel is built above a cave, which is supposed to be the cave referred in the myth. Thru a narrow hole we could climb down and could get an impression how Gregory might have felt. Then we did get a hike back to Yerewan and had a good Sushi dinner in another Japanese restaurant.