Vom Baikal zum Ural

(23.-25. November)

Um Mitternacht sind wir am Bahnhof angekommen, der Zug fuhr kurz darauf ein. Wir sind zum Bahnsteig gelaufen und haben den Waggon 5 gesucht, mussten allerdings feststellen, dass bisher nur 15-12 dastanden. Also mussten wir warten, bis die anderen Waggons kamen und mit den ersten verkuppelt wurden. Diesmal haben wir die 2. Klasse gebucht, um für die lange Zeit etwas mehr Komfort zu haben. Um 1:00 setzte sich die Transsibirische Eisenbahn in Richtung Moskau in Bewegung. 

At midnight we went to the trainstation and short after, the train arrived. At the platform, we found only coach 12-15 and were informed that the missing coaches will be added here in Irkutsk. Waiting at a platform for 30 minutes at -20° can be quite a challenge. At 1am the Transsib towards Moscow finally started. 



Unser Waggon hatte einen Stomausfall, nach einiger Zeit war aber auch der Behoben und wir begannen, uns in unserem Abteil einzurichten. Ein Abteil in der 2. Klasse besteht aus 4 Betten und einem Tisch. Da wir die einzigen waren, konnten wir unsere Sachen verteilen. Bald kam die Zugmutti mit einem Paket mit Bettwäsche und einem Handtuch vorbei. Am Ende des Ganges gibt es Samowar an dem man sich heißes Wasser holen kann. Etwa um 3 Uhr legten wir uns ins Bett und sahen beim gleichmäßigen Schaukeln und dem Klackern der Räder auf den Schienen die sibirische Landschaft an uns vorbei ziehen.

We had a 2nd class ticket for the 55 hours to Yekaterinburg to have a bit more comfort and space for our luggage. Our coach had no electricity, but they did fix this problem after a while and we could start to make ourself comfortable. A 2nd class compartment has 4 beds and a table. Our beds had additional mattresses and did get a package of fresh linen and a towel from our coach-concierge. At the end of the coach, next to the concierge cabin, there is a samovar with hot water and a toilette at each side. At around 3am, we were ready to sleep with the monotone taktaktak of the train and the white Siberian landscape moving by our window in the dark.

    

Am Morgen sind wir gut ausgeschlafen aufgewacht, unverändert begleitet vom „taktaktak“ des Zuges, haben uns Kaffee und Cornflakes gemacht und noch eine kleine Runde gedöst. Im Zug beschleicht einen nämlich kein schlechtes Gewissen, einfach den ganzen Tag liegen zu bleiben, denn man kann sowieso nichts anderes machen. Mit dem Komfort unseres Einzelabteils war es dann aber schnell vorbei, denn wir bekamen den ersten und kurz darauf den zweiten Mitbewohner. Zu viert ist es in einem Abteil dann doch relativ eng, also machten wir uns bald auf den Weg zum Speisewagen, wo die Atmosphäre ähnlich langweilig war, wie man es aus deutschen Zügen kennt. Wir bestellten ein Omelette und gingen zurück ins Abteil. Unsere Zugmutti war nicht so nett wie „Christina“ aus unserem ersten Zug, aber sie kümmerte sich gut um die Sauberkeit ihres Waggons.

We were happy to have our compartment for ourself. But this changed pretty soon. A new passenger moved in and soon after a fourth one. So we had so squeeze our luggage and food. It’s really narrow with 4 people. Our concierge was not as nice as Christina from our first train, but she kept everything tidy and clean. Once a day she did vacuum the whole wagon and regularly cleaned the toilets. In the toilet it was not allowed to spill down the paper; this had to put in a bag below the sink, just in front of the toilet- bowl. Nice smell and something we could’t get used to. Around noon the next day we went to the restaurant car, which unfortunately didn’t have a feel-well atmosphere at all. But we did get a fresh omelet which was not too bad. The time did confuse us for a while. Time in our tickets and the coach was shown as Moscow time. Our watch was still on Irkutsk time – 5 hours ahead of Moscow; and at the about 20 stops until Yekaterinburg, local time was indicated. 2 times we had a stop of about 45 minutes, which we used to walk around at the ice-cold and slippery platforms for a few minutes, but other than this we spent all the time in our 4-bed suite. 

       

Da wir durch insgesamt 3 Zeitzonen fuhren, unsere innere Uhr noch auf Irkutsk gestellt war und alle Züge nach der Moskauer Zeit fahren, waren wir immer wieder verwirrt. Insgesamt hielt der Zug etwa 20 mal, an zwei längeren Stops von etwa 45 Minuten gingen wir kurz in die Eiseskälte, um uns auf den spiegelglatten Bahnsteigen die Beine zu vertreten. Ansonsten waren wir die ganze Zeit in unserem kleinen Abteil. An der Landschaft, der russischen Taiga und Tundra, hat man sich irgendwann auch satt gesehen und so waren wir froh, dass die Reise irgendwann zu Ende war und wir Jekaterinburg nach 55 Stunden erreicht hatten. 

The Siberian landscape in front of our window did not vary too much. Most the time, the train did run thru leave less birch-woods, some times it was mixed with needle wood or villages did run by. Spectacular views for miles across taiga or tundra were rare. Cities such as Omsk or Novosibirsk took an hour or longer just to pass; and, same as in Germany, the areas next to train tracks aren’t the most attractive. Net net, we are really happy, that we could do the Transsib, but it was a good idea to not do the stretch from Ulan-Ude (or even from Ulan Bator) to Moscow in just one trip. Finally we were happy when we reached Yekaterinburg after 55 hours – at 3am local time.

(25. November)

Um 3:00 Ortszeit sind wir in Ekaterinburg angekommen. Am Bahnhof suchten wir uns ein Taxi zum Hotel, wo wir versuchen wollten, einen sehr, sehr frühen Check-In zu bekommen. Die sehr nette Mitarbeiterin sagte uns, dass sie leider keine freien Zimmer hätten und wir warten müssten, bis jemand auscheckte. Sie bot uns aber an, schonmal im Fitnessbereich zu duschen. Das haben wir gleich gemacht und uns dann die Zeit im Hotel vertrieben. Aus irgendeinem Grund haben wir dann letztendlich eine Suite bekommen und holten etwas Schlaf nach.

Am frühen Nachmittag haben wir dann damit begonnen, die Stadt kennen zu lernen. Zuerst sind wir zur Oper gelaufen, um Karten für die Abendvorstellung zu kaufen. Dann sind wir zur „Katedrale auf dem Blut“ gelaufen, ihre goldenen Dächer haben wir schon vorher immer wieder zwischen Häusern scheinen sehen. Sie wurde auf der Stelle erbaut, an der die Familie des letzten Zaren 1918 durch die Bolschewiken hingerichtet wurde. Im Keller sind Katakomben zu Ehren der Zaren und ein kleine Austellung, in der die Zaren ein wenig wie Märtyrer herausgestellt werden. Auch eine gute Gelegenheit die heutige Macht der orthodoxen Kirche in Russland zu sehen. 

When we arrived at the hotel, there was a very nice lady at the counter, who wanted to let us check in immediately, but the hotel was fully booked. So she took our luggage and let us to the fitness area to take a shower. After a while we had breakfast and soon after we could check in into a suite – and did take a nap for the next few hours. 

In the early afternoon we started to a sightseeing walk and started with the opera which is one of the oldest and best in whole Russia. There we found that tonight there is a performance of The Nutcracker, and spontaneously bought tickets. Next we went to the „Cathedral on the Blood“, which recently was erected on the spot, where the last Tsar Alexander II and his family was executed by the Bolsheviks in 1918. In the basement, there is an exhibition as from the teaching „how to create a divine martyr“. Good opportunity also to see the power of the Orthodox Church in Russia today.
                 

Vor der Oper sind wir noch ins Hotel, um uns etwas schicker zu kleiden und Papa nutzte die Gelegenheit, endlich seinen Anzug anzuziehen, den er nun die ganze Reise mit sich geschleppt hat. (Besonders cool war die Kombination von Anzug und Wanderschuhen ;)) Die Oper ist eine der ältesten und besten in ganz Russland. Wir sahen, passend zur hereinbrechenden Jahreszeit, Tschaikowsky’s Nussknacker. Das Theater war innen wunderschön und Orchester und Ballett waren sehr gut.

Before the theater, we went to the hotel as this is the first opportunity for dad to use the suite, he did bring with him for exactly such a situation (looked especially cool with his trekking boots ;)). The theater itself is wonderful from inside and the performance was very good – the orchestra and the ballet. After the performance we walked just by a nice restaurant and had a nice walk back to our hotel in the night.  

            

(26. November)

Heute haben wir uns als Erstes zum nationalhistorischen & archäologischen Museum, um das älteste bisher gefundene Holzkunstwerk anzuschauen. Es war aber relativ enttäuschend, da das 11.000 Jahre alte Holzstück mit Ornamenten und menschlichem Kopf in einem langweiligen, kleinen Raum ausgestellt war. Es besitzt übrigens nur noch 3 von seinen ursprünglichen 5 Metern Länge, da der untere Teil bei den unvorsichtigen Ausgrabungen zerstört wurde. Auch die Beschreibung ist kurios, es steht zum Beispiel geschrieben „die Verzierungen haben sicher eine Bedeutung“ (ok, danke für die Information). Dann sind wir mit der Tram in einen anderen Stadtteil gefahren, wo sich das Rathaus, die Fußgängerzone, Parks und viele schöne Gebäuden befinden. Hier sind wir auch das „Museum of Fine Arts“ besucht und haben später im vegetarischen Restaurant „Rado“ zu Abend gegessen. Dann sind wir zum Hotel um unser Gepäck abzuholen und zum Bahnhof zu fahren.

After a good hotel breakfast we start with „phase II Yekaterinburg“ sightseeing. First target is the National History & archaeological museum, as there should be the oldest wooden example of human art on display – an about 11.000 years old wooden pile, with carvings and a human head on top. But it was disappointing. It was just one room with just this main sample, which was not 5 but only 3 meters as 2 meters have been broken off due to incompetent handling. And the explanations were of amateur quality such as „there are engravings which may have a meaning“. Hard to understand how such an important piece of human culture can be mistreated. Then we went by tram to the town-hall and there we learned to love the city. Beautiful buildings, parks and the lake, the streets full of life and our second museum „of fine arts“. There we also found a good veggi restaurant – this time with a different name „Rado“ but as delicious as the many „Govinda’s“, we already had our journey. Later we went to the hotel to pick up our luggage as we had booked a Transsib to Kazan for 22:30pm.
 

                  

   

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2 Kommentare

  1. Nadja · Dezember 1, 2015

    Schöne Bilder! Man hört ja immer wieder Gerüchte, dass es in den Zügen recht geruchsstark zugeht. Stimmt das? Kalt sieht es ja nicht wirklich aus, was ich zuerst befürchtet hatte.

    Gefällt 1 Person

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